"Leider keine künstlerische Begabung festzustellen!"

Texte
Es ist Januar 2012. Ich sitze bitterlich weinend auf einem Bett in Wien. “Ich verstehe das nicht” rotz-heule ich in das Telefon. Meine beste Freundin und damalige Mitbewohnerin in Bochum versucht mich aufzubauen. “Die sind halt dumm”. Ja denke ich. “Voll dumm.” sage ich trotzig und will langsam auflegen, damit ich mich in meinem Selbstmitleid suhlen kann.
Die Universität der Künste Berlin hat mich nicht genommen. Schlimm genug. Aber die “künstlerische Begabung” ab erkannt zu kriegen. Das ist wohl noch schlimmer, wettere ich in meinem Kopf. Ich stelle mir Rache-Szenarien vor um mich zu beruhigen.
2030 oder so: Sophia Hembeck bekommt den Nobelpreis für Literatur (wenn schon dann auch richtig). Ich betrete die Bühne und bedanke mich. Dann ziehe ich einen Zettel hervor, der 18 Jahre darauf gewartet hat, vorgelesen zu werden:

„Sehr geehrte Frau Hembeck,
es tut uns Leid Ihnen mitteilen zu müssen, dass das Auswahlkomitee keine künstlerische Begabung für den Studiengang “Szenisches Schreiben” feststellen konnte.”

So ist das also, werde ich dann triumphierend sagen. Kann ich den wohl nicht annehmen. Hehe.
Wieso hat es aber nicht geklappt? Lange liege ich da und überlege. Bis ich zu dem Entschluss komme, dass ich wohl nicht alles gegeben habe und wenn ich ehrlich bin, die letzten 3 Tage vor dem Einsendeschluss erst richtig angefangen habe zu schreiben. Dass ich es wieder einmal nicht ganz richtig gemacht habe, damit es nicht so weh tut, wenn es nicht funktioniert. Das Problem ist nur, dass es trotzdem weh tut und zwar ziemlich.
Und dann ist mir auch klar, warum, weil manchmal funktionieren Sachen nur mit achtzig Prozent und das fühlt sich toll an, weil man dann sagen kann: Hab ich mit links gemacht. Aber die UdK, die macht man eben nicht mal eben. So nebenbei.

Trotz der bitteren Wut im Bauch über die UdK und über mich, die Welt im Allegmeinen etc. beschließe ich in dem Moment weiter zu machen. Mich nicht zu entmutigen.
Im Jahr darauf besuche ich die Schreibklasse am Schauspielhaus Wien. Es geht voran. Ich spüre, wie sich etwas in mir in Bewegung setzt. Bei der neuen Bewerbung für die UdK im Oktober 2013 gebe ich alles. Schreibe mehrere Szenen, lasse Korrektur lesen und wähle dann aus. Selbst wenn es jetzt nicht klappt, sage ich zu mir, das ist dein Bestes und das ist gut so.
Februar 2014 dann die Zusage.Ich breche mein Studium in Hildesheim ab und ziehe nach Berlin. Endlich.
Am Montag geht es dann los.

Den Zettel mit der Absage, habe ich übrigens nicht mehr. Der ist wohl irgendwann verloren gegangen. Zum Glück!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s