Intimitätsparasiten

Warum Liebe weh tut

Someone like you Quelle: kino.de

Als ich vor ein paar Wochen die Idee hatte zum Thema „Warum Liebe weh tut“ zu schreiben, kam mir die Theorie des „Intimitätsparasiten“ in den Sinn, ein Wort, das ich im Gespräch mit einer Freundin erfunden hatte. Gemeint waren Menschen, die man kennen lernt, man hat ein paar sehr romantische Dates, man bekommt überschwängliche SMS, wie „Ich glaube auf so jemanden wie dich habe ich immer gewartet“ und innerhalb von zwei Wochen wird man dem gesamten Freundeskreis samt Teilen der Familie vorgestellt. Vielleicht ein bisschen früh denkt man. Aber was soll’s. Man ist ja quasi schon so gut wie zusammen. Und dann: Nichts. Man wird nicht mehr mitten in der Nacht angerufen, muss sich selbst Gute Nacht sagen. Plötzlich ist man anscheinend doch nicht die große Liebe. Plötzlich sitzt man am anderen Ende des Tisches in der Bar und muss sich mit den Freunden von ihm/ihr unterhalten, denen man nicht zuhören will, weil WARUM ZUR HÖLLE MAGST DU MICH NICHT MEHR??!! Wobei das Problem gar nicht das ist, dass man selbst so verliebt war, aber warum der Andere jetzt nicht mehr so verliebt ist – Das ist ist das Problem! Ich habe das dann damals als Intimitätsparasitismus bezeichnet. Fand, dass das gut klingt. Irgendwie wissenschaftlich. Der Homo Intima Parasita* ist eine Spezies, die gerne in einer Beziehung wäre mit all ihren Vorteilen sich mit den Nachteilen wie Verantwortung und Monogamie aber nicht auseinander setzten will. Durch das häufige Wechseln des Partners wird dies vermieden. In der Sexindustrie nennt man das „Girlfriend Experience“. Das Problem ist nur, wenn man kein/e Sexarbeiter/in ist, wird man am Ende nicht dafür bezahlt. Deshalb auch Parasitismus. Soweit meine Theorie. Dann habe ich den Film „Someone like you“ geguckt. Da geht es um eine Frau, die verlassen wird und um die Trennung zu verstehen, denkt sie sich eine Theorie aus, warum Männer Frauen verlassen. Die Alte-Kuh / Neue-Kuh Theorie. Die geht ungefähr so: Männliche Kühe haben immer nur einmal Sex mit einer Kuh. Danach muss eine neue her. Deshalb verlassen Männer ihre Frauen, weil sie eine neue Kuh brauchen. Das Fazit des Films ist, dass sich die Frau, diese Theorie ausgedacht hat, weil sie so sagen konnte: Schaut her. Männer sind einfach wie Bullen. Wenn du ne alte Kuh bist, kannst du nichts dafür. Der musste dich quasi irgendwann verlassen. (Der Film ist nicht so merkwürdig, wie er jetzt klingt.)

Eddie: It’s over. Why can’t you just let it go? Jane: I can’t. Eddie: Why? Jane: Because I was happy. Because if this theory is wrong, men don’t leave all women, Eddie. They leave me.

Jedenfalls habe ich dann darüber nachgedacht, wieso es so wichtig ist, dass man Dinge wie, „Warum er/sie nicht anruft?“ gerne auf ein allgemeines Phänomen zurückführen will oder auf einen Fehler bei sich selbst. Das ist doch merkwürdig. Als gäbe es nur zwei Möglichkeiten. Entweder es ist ein allgemeiner Grund, also nicht mein Problem oder es liegt an einem selbst und man kann in seiner Psyche danach suchen. So oder so ist die Erklärung aber nie: Er/sie hat es sich anders überlegt. Einfach so. Ohne Grund. Wieso ist es wichtig, warum jemand etwas so und so getan hat? Wieso fällt es so schwer die Dinge als das zu akzeptieren, was sie sind? Warum das Ganze analysieren und Entschuldigungen überlegen und nicht davon ablassen können? Wieso muss jemand gleich ein Intimitätsparasit sein nur weil er sich geirrt hat und das auf die blödste Art überhaupt kommuniziert? Nämlich gar keine. Aber, wenn man ehrlich ist, will man das ja auch gar nicht hören oder? Dann müsste man das ja akzeptieren. Und akzeptieren würde loslassen bedeuten und das fällt anscheinend extrem schwer bzw. habe ich das Gefühl man tut es einfach zu selten. Man müsste das mehr üben. Vor ein paar Wochen habe ich einen Workshop gemacht und da fand ich jemanden toll. Jede Woche ging ich hin um nach Zeichen des Interesses zu suchen. Nach Woche vier und vielen Namen-Lern-Spielen in der Gruppe, ich hatte gerade eine Szene mit einer Frau gespielt, fragt der, als mein Name in der Diskussion fällt: „Äh wer von euch war noch mal Sophia?“ Da wusste ich. Zeichensuche abbrechen. Keine Entschuldigungen suchen! Der weiß nicht wie du heißt, der hat kein Interesse. Ich akzeptiere das jetzt. – Und ehrlich gesagt. Ich fühle mich besser so.

*das ist vermutlich sehr falsches Latein

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