Es war gut und schlecht. Es war anders.

raus hier

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„Morgen fliege ich nach Thailand. Ich kann nicht sagen, dass ich nicht total aufgeregt bin.“ Ich bin 16 Jahre alt, es ist Anfang Mai und vor mir steht das bisher größte Abenteuer meines Lebens. Für ein Jahr werde ich in einer sehr reichen Gastfamilie leben, sie nach 7 Monaten wechseln, um dann viel glücklicher die letzten drei Monate auf dem Land bei meiner Klassenkameradin zu verbringen. Ich werde häufig in Karaoke-Kammern sitzen und Songtexte aus dem Internet abschreiben um Thailändisch zu lernen. Ich werde anfangen heimlich im Bad zu rauchen, versehentlich einen Vogel umbringen, einen Motorradunfall haben und viel Zeit auf der Krankenstation der Schule verbringen um Schlaf nachzuholen. Ich werde sehr schnell Freundinnen finden, häufiger mal die Schule schwänzen und viel zur Thai-Massage gehen. Ich werde mich mit Buddhismus beschäftigen und ich werde scheitern: An der anderen Kultur, an den Umgangsformen, an der Sprachbarriere, an meinem Aussehen.

Ich werde wieder nach Hause kommen und ziemlich verloren die elfte Klasse beenden. Man wird mich fragen: Wie war es denn? Und nie eine auch nur annähernd wahre Antwort darauf finden. Und das wird mich immer ärgern. Ich werde nie einfach nur sagen können: Es war gut. Toll eine großartige Erfahrung. Wie war dein letztes Jahr?

Ich werde immer sagen: Es war gut und schlecht. Es war anders. Ich werde sagen: Es hat mich irgendwie zerstört. Es hat mich aber auch stärker gemacht. Ich weiß nicht, ob ich es noch mal machen würde. Aber ich kenne mich auch nicht anders. Ich wäre nicht ich. Die Frage hat keinen Sinn für mich. Also Ja. Ich werde es immer wieder gemacht haben.

Manchmal werde ich sagen: Ohne Thailand würde ich nicht wissen was wichtig in meinem Leben ist. Was ich für mich brauche. Dass ich nie ein Heimweh-Kind war, aber dadurch weiß, was wirklich Heimweh ist. Echtes Heimweh. Das man nach drei Monaten bekommt, weil man merkt: Das hier ist kein Urlaub.

Aber das Alles weiß mein 16-Jähriges Ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Es hat noch nicht mal einen Reiseführer besorgt und das Thailändische-Sprache Buch wird es zum ersten Mal auf dem Flug öffnen. Es ist viel zu aufgeregt und voller Glück, dass die große Reise endlich beginnen wird. Es hat keine Ahnung wie Thailand ist. Es hat mal „Anna und der König“ gesehen und daraus Bilder gesponnen. Es braucht das Alles aber auch noch nicht zu wissen. Sonst müsste es ja nicht hinfliegen. Es schaut einfach nach vorn und will raus.

Und genau das soll es auch.

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