Ask for happiness // Filmkritik von C.O.G.

Film
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C.O.G.

 Jon: It’s not just going to drop into your lap.  You’ve got to ask for it.

Samuel: Just ask for happiness?

Jon: That’s it?

Samuel: Yeah.

Vor einigen Jahren saß ich mal in einer Textbesprechung bei einer Romanwerkstatt, wo jemand behauptete, er würde kein Buch lesen wollen, bei dem er den Hauptcharakter unsympathisch fände. Ich fand das interessant, weil das glaube ich ziemlich viele Bücher und Filme ausschließt. Aber nun ja, es geht jetzt nicht darum, dass der blöd war und warum mochte der meinen Hauptcharakter nicht??!!

Sondern um den großartigen Film „C.O.G.“ den ich vor einigen Wochen gesehen habe und der gerade perfekt zum Thema des Monats passt: Jemand ist allein + Selbstfindungstrip + am Ende gibt es keine Liebe.

Man kann nicht sagen, dass der Hauptcharakter in „C.O.G.“ dabei besonders gut weg kommt. Als Yale-Absolvent sich mal „die Hände schmutzig machen“ wollen, in dem man sich als Apfelerntehelfer anstellen lässt und dann in einem Wutausbruch die Arbeitskollegen auf der Apfelfarm beschuldigen, sie hätten einem das gesparte Geld geklaut. Nun ja. Das ist nicht schön anzusehen, aber trotzdem sehr realistisch.

Co-Worker: What do you think of when you look at that?

Samuel: That everything I’ve ever bought every piece of food comes with its own history  of some miserable person rubbing their grubby little fingers all over it.

In „C.O.G.“, welcher auf dem autobiographischen Roman „Naked“ von David Serdaris basiert, sieht man vor allem wie Konventionen aufeinander prallen und was passiert, wen man sein Leben in die Hände von anderen Menschen legt: Nichts gutes.

Aber lernen tut man dabei sehr viel mit Samuel dem Hauptcharakter, den man nicht mag, aber dennoch irgendwie versteht. In seiner Suche nach Erfüllung und Erwachsen werden. Seinem Gefühl der Überlegenheit bei gleichzeitiger Verunsicherung. Weil sich jeder wohl ab und an wünscht irgendwer würde kommen und einem das alles mal erklären, jemand der einen an die Hand nimmt.

Dazu sind unsympathische Hauptcharaktere auch da. Ihnen dabei zu zuschauen wie sie ihr Leben vergurken, gibt einem das Gefühl, man selbst wird es besser machen. Und es hilft auch um zu merken, dass Menschen eben nicht perfekt und makellos sind.

Und so bitter wie die letzte Szene des Films auch war, so viel kann ich spoilern, so ist sie doch auch ein Augenöffner für mich gewesen, was meine eigene Selbstfindungsreise betrifft. Wenn man zu sich selbst finden will, muss man sich wohl oder übel an die eigene Hand nehmen.

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