Filmkritik: JOY – Alles außer Gewöhnlich

Dinge, die ich mag
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Joy

Es gibt Menschen die Probleme mit ihren Händen lösen. Die gerne basteln. So ungefähr beginnt der Film „JOY“, der die Geschichte eines Menschen erzählt, der an einem bestimmten Punkt in seinem Leben begreift, dass alles was man im Leben haben wird, das ist, was man selbst daraus macht. Einen besseren Film zu Neujahrsbeginn kann man sich also kaum vorstellen. Eine Erfolgsgeschichte, die von harter Arbeit handelt und sich dann auszahlt. Und sogar inspiriert ist von einer wahren Geschichte.

Ich möchte nun nicht darüber reden, dass Jennifer Lawrence, die die Hauptrolle spielt, toll ist und dieser Film eine starke Frauenrolle zeigt und der Regisseur aber ein Mann ist und  inwiefern, dass nun gut oder schlecht ist. Ich möchte auch nicht darüber reden inwiefern es nun eine gute Sache ist, dass der Film latent den Kapitalismus feiert, da man nicht nur ein Mensch ist der bastelt, sondern der auch verkauft und inwiefern das nun gerecht ist. Darüber kann man alles nachdenken, wenn man diesen Film guckt. Und das ist auch wichtig.

Aber der Grund weshalb ich diesen Film wirklich gut fand, war ein viel kleinerer Aspekt, den ich für mich aber am markantesten halte:

Joy ist bis auf die letzten Minuten im Film eigentlich ständig kurz vor dem Zusammenbruch.

Ihre Familie ist furchtbar und sagt ihr Sachen, wonach ich vermutlich nie wieder einen Stift in die Hand genommen hätte. Und die ganze Zeit denkt man: Oh Gott. Wie hält sie das bloß aus? (Und ich hasse Joys Vater, der von Robert De Niro gespielt wird!!!!)

Es ist nicht nur ein kurzes Scheitern, wie in den meisten Hollywood-Filmen. Es ist ein richtig langes, zermarterndes Scheitern. So wie sich das im wahren Leben auch anfühlt. Unerträglich und ewig.

Die Szene, wo sie Zuhause mit ihrem Vater  und deren neuer Freundin sitzt und die Insolvenzerklärung ihrer Firma unterschreiben soll und sich davor anhören muss, sie sei eben bloß eine Hausfrau mit verrückten Ideen gewesen und er sei Schuld, dass er ihr das Selbstbewusstsein dafür gegeben habe, ist so zerstörend und gleichzeitig auch die Stelle wo es besonders interessant wird, denn wer würde danach noch die Kraft haben irgendetwas zu tun?

Niemand. Auch Joy nicht. Sie unterschreibt die Erklärung und gibt sich geschlagen. Das ist ein essenzieller Moment. Sie ist kein Übermensch. Irgendwann kann auch sie nicht mehr. Und dann passiert etwas wunderbares. Sie rafft sich wieder auf. Sie macht weiter. Sie findet etwas.

Und deshalb sollte man sich diesen Film anschauen. Weil es letztendlich darum geht. Darum was man macht.

 

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